14. Mai 2021

Vom Einsingen zur chorische Stimmbildung

die meisten Chorleiter nutzen bereits die großen Möglichkeiten, die das Einsingen zum Beginn einer Probe bietet. Es ist nicht mehr nur einfach ein „Aufwärmen“ der Stimmbänder (sterotypes La-la-la in Dreiklängen), sondern ein sehr vielfältiges Instrument, um am Chorklang zu arbeiten, stimmliche, rhythmische und tonliche Schwierigkeiten des zu probenden Stücks schon vorzubereiten und den Chor  auf die kommende Probe „vorzubereiten“. Darum trifft es der Begriff „chorische Stimmbildung“ viel besser als das doch sehr allgemeine „Einsingen“.

Und natürlich unterscheidet sich eine chorische Stimmbildung, ob ich einen Kinderchor, einen ambitionierten Konzertchor oder einen schon etwas in die Jahre gekommenen Männerchor vor mir habe.

Aber eigentlich gilt: keine Probe ohne Einsingen, denn nur hier kann man zielgerichtet am Chorklang arbeiten und die Sänger*innen für den gewünschten Klang sensibilisieren.

Über das „Wie“ und auch die Reihenfolge gehen die Meinungen sicher auseinander, aber ein „klassisches“ Einsingen sollte aus meiner Erfahrung die folgenden Punkte enthalten:

Körpergefühl entwickeln:

Strecken, Dehnen, Klopfen, bewusstes Stehen, Wippen, „Seiltanzen“, auf einem Bein stehen

Bewusstes Atmen

Die meisten Menschen verbringen den Großteil des Tages im Sitzen und nutzen i.d.R. nur einen Teil des möglichen Luftvolumens, d.h. man muss die nicht genutzten Bereiche „aktivieren“
Übungen: Luft langsam auf „s“ ausströmen lassen, bewusst tief einatmen,

Zwerchfell aktivieren

Übungen: kurze Atemstöße (auf Atemimpulse auf f, p, s, sch), Stakkatotöne, Töne halten und wieder entspannen

Klänge bilden (von der Sprechstimme zur Singstimme)

Übungen: einfache Tonfolgen mit verschiedenen Vokalen in verschiedenen Lagen (von der Mittellage in die Höhe und Tiefe ausweiten)

komplexe Übungen

Kombination aus den vorigen Übungen, schwierigere Tonverbindungen, verschiedene Artikulation. „Grenzen ausloten“ (Höhe, Tiefe, Geläufigkeit, Intervallsprünge)

Welche Übungen konkret zu welcher Gruppe passen, würde hier den Rahmen sprengen, denn die Vielfalt an Übungen und Einsingkonzepten füllt unzählige Bücher zu diesem Thema (meine Emfpehlung finden Sie unter Buchtipps)